≡ Menu

Schwanger werden – Schwanger sein

Schwanger werden leicht gemacht

Wenn Sie diesen Artikel lesen, sind sie vermutlich schwanger (oder wollen es vielleicht noch werden?). Ganz heimlich, ohne dass sie es bewusst vorgenommen haben, sind in ihrem Körper eine Eizelle und eine Samenzelle zusammengetroffen und die befruchtete Eizelle hat sich in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet. Ein neues Leben entsteht.

In einer Zeit, in der Paaren relativ sichere Verhütungsmittel zur Verfügung stehen, könnte man meinen, dass die Entscheidung für ein Kind sehr bewusst getroffen wird. Bei vielen Paaren ereignet sich der Übergang zur Elternschaft aber auch heute noch ohne eine klare Entscheidung.

Nur etwa die Hälfte der Schwangerschaften sind zum jeweiligen Zeitpunkt gewollt und geplant. In den anderen Fällen treffen die Paare ihre Entscheidung für oder gegen ein Kind erst, wenn die Schwangerschaft bereits eingetreten ist.

Zwar wägen viele Paare die positiven und negativen Aspekte eines Kindes im Vorfeld gegeneinander ab, von einer rationalen Überlegung kann aber kaum die Rede sein. Für die meisten Paare ist diese Entscheidung in ihren Konsequenzen kaum vollständig zu überblicken und wird daher oft gelassen.

Schwanger werden leicht gemacht

(Quelle: Flickr CC; Autor: Jurischk)

Spätestens in der Schwangerschaft müssen sie sich mit ihren widerstreitenden Gefühlen und Gedanken auseinandersetzen. Heute versteht man mehr und mehr, dass die Hin – und Hergerissenheit in der Frühschwangerschaft kein besorgniserregendes Symptom ist, sondern zum Kinderwunsch dazugehört.

Wenn Sie sich immer wieder mit ihrem zu erwartenden Kind beschäftigen, ihre Lebenssituation reflektieren, vollbringen sie gleichzeitig erste wichtige Bindungsarbeit. Sie signalisieren ihrem Kind: ich mache mir Gedanken, wie es für uns beide wird, was für Bedürfnisse du hast und wie sich mein Leben durch dich ändern wird.

Und zunehmend wird Ihr „Ja“ zum Kind gestärkt. Auf einmal entdecken sie beim Gang durch die Stadt, wie viele Frauen schwanger sind, sie beobachten Eltern mit ihren Kindern beim Einkaufen. Erleben Sie dabei gut gelaunte Familien, lassen sie sich anstecken!

Oder sie sehen Situationen, bei denen sie denken: So mache ich es sicher nicht.

Die Entscheidung wird Ihnen vielleicht auch dadurch erschwert, das es reale Widersprüche gibt zwischen ihrem bisherigen Selbstbild als unabhängige(r) Frau, Mann und ihrer neuen Rolle als Mutter und Vater. Sicher kennen Sie die Redensart „Man wächst mit seinen Aufgaben“, genau so werden sie die Übernahme der Elternrolle empfinden.

Sie stellt eine Bereicherung dar, ist aber andererseits mit vielfältigen neuen Herausforderungen verbunden. Rund um die Uhr müssen sie nach der Geburt für Kind da sein, ihre Berufstätigkeit aussetzen, vielleicht finanzielle Unabhängigkeit aufgeben und Änderungen im sozialen Umfeld bewerkstelligen.

Kein Wunder, dass da zur Freude auch trübe Gedanken hinzu kommen. Und die Unsicherheit: Wie komme ich zurecht mit dem Kind? Eine Gebrauchsanweisung bekommen Sie auf jeden Fall nicht mitgeliefert. Wir wissen, dass Eltern, die selbst eine gute Kindheit erlebt haben, kaum Fehler bei ihren eigenen Kindern machen, sofern sie ihrem Gefühl und dem gesunden Menschenverstand folgen.

Elternschaft im Wandel der Zeit

Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist von deren Hoffnungen und Wünschen, aber auch von Zwängen und Pflichten bestimmt. Beide Komponenten unterliegen gesellschaftlichen Veränderungen. Noch zur Zeit unserer Großeltern bedeuteten viele Kinder quasi eine Altersversorgung für die Eltern. Anders als vor 100 Jahren bringt es heute keine wirtschaftlichen Vorteile mehr mit sich, Kinder zu haben.

Kinder haben heute eher einen „ psychologischen Nutzen“. Sie sind Ausdruck des Lebensglücks und des Bedürfnisses nach (lebenslangen) stabilen Beziehungen.

Das Leben mit Kindern bildet einen Gegenpol zum Zweck traditionalen Handeln der Erwachsenen in der hoch industrialisierten Gesellschaft. Hier sind bei ihnen ganz andere Fähigkeiten gefragt als im Erwerbsalltag: Geduld, Gelassenheit, Fürsorglichkeit, Einfühlungsvermögen, Zärtlichkeit, Offenheit und Nähe.

Und in ihren Kindern wiederum sehen Eltern oftmals Eigenschaften verkörpert, die sie sich selbst wünschen, aber nicht (mehr) ausleben können: Spontanität, Sinnlichkeit, Unbefangenheit und Kreativität. Elternschaft ist in der modernen Gesellschaft zu einer verantwortungsvollen Aufgabe geworden: Es gilt, das (kommende) Kind optimal zu fördern.

Die wachsende Verantwortung wirkt sich auf den Entscheidungsprozess für oder gegen Kinder aus. Erst wenn die materiellen Voraussetzungen gegeben sind, eine kindergerechte Umgebung geschaffen, eine stabile Partnerschaft aufgebaut und die notwendige Reife der eigenen Persönlichkeit erreicht wurde, kann das erste Kind kommen.

Traditionelles Elternwissen und Erziehungsmaximen, die noch 2-3 Generationen zuvor als Richtschnur des Verhaltens in der Schwangerschaft und später in der Erziehung des Kindes dienen konnten, sind heute oftmals in Vergessenheit geraten oder werden kritisch hinterfragt. Die meisten werdenden Väter und Mütter verfügen vor der Geburt kaum über Erfahrungen in der Betreuung von Kindern und sind Laien auf diesem Gebiet.

Zugleich wird das kommende Kind als zart und sehr verletzlich angesehen. Der Impuls, es schützen zu wollen, ist sehr stark. Eltern empfinden diese Verantwortung, die aus der Liebe zu ihrem Kind erwächst. Notgedrungen suchen sie Informationen und Rat bei Fachleuten und in der Ratgeberliteratur.

Es ist leicht nachvollziehbar, dass sie, die (werdenden) Eltern, zunehmend verwirrt sind, sich fragen ob sie wohl die richtigen Entscheidungen getroffen haben und Rat und Begleitung suchen.

Seien Sie unbesorgt: Sie durchleben den natürlichsten Vorgang der Welt, Sie sind schwanger und nicht krank! Sie verfügen über die Fähigkeit, ein Kind in ihrer Gebärmutter geschützt wachsen zu lassen, es spontan zu gebären und die nötige Milch zur Ernährung zu bilden. Gemeinsam mit ihrem Partner werden sie im Umgang mit dem Neugeborenen und Säugling intuitiv die Signale des Kindes erkennen und richtig beantworten.

Ob sie sich das alles zutrauen, steht auf einem anderen Blatt. Hier spielen ihre bisherige Lebenserfahrung, ihre Erziehung und ihr kultureller Hintergrund eine entscheidende Rolle. Hier können ihnen besonders Hebammen

–          als Unterstützung für Körpergefühl und Vertrauen in weibliche Fähigkeiten,

–          als Begleiterin in unsicheren Entscheidungssituationen sowie

–          als geduldige zuversichtliche und einfühlsame Betreuerinnen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zur Seite stehen.

Die wichtigste Aufgabe ihrer Hebamme wird sein, sie im Umgang mit ihrem Kind vor und nach der Geburt zu stärken. Wir möchten Sie während dieser wichtigen Zeit begleiten, sie bei Fragen und Problemen unterstützen. Wir können sicher nicht den persönlichen Kontakt zu ihrer Hebamme ersetzen, aber wir können Ihnen vielleicht viele Fragen beantworten.

Beziehungen verändern sich

Ein Baby verändert die Welt! Es macht eine Frau und einen Mann zu Eltern, ein kleines oder größeres Kind zu einem großen Bruder, einer großen Schwester, die Eltern der Eltern zu Großeltern, ihre Geschwister zu Onkel und Tanten. So wurzelt seine eigene Lebensgeschichte weit in der Vergangenheit und sie reicht in eine Zukunft, an der die vorangegangenen Generationen nicht mehr teilhaben werden. Die Geburt eines Kindes wird bei den neu geborenen Eltern unmittelbar an der Frage nach der eigenen Herkunft. Die Qualitäten oder Defizite der Herkunftsfamilie dienen oft als Erklärung für eigene Stärken, Schwächen und Vorlieben.

Es wächst ein größeres Verständnis für die eigenen Eltern, manchmal werden auch die trennenden Gräben größer. Die Schwangerschaft wird als eine Übergangsphase betrachtet, man spricht von einem „Übergang zum Unbekannten“.

Dieser Lebensübergang bedeutet, den Verlust einer vertrauten sozialen Lebensposition zu akzeptieren, so wie die Herausforderung, eine neue soziale Rolle und neue Lebensaufgaben zu meistern. Mit der Schwangerschaft lösen sie sich von der eigenen Mutter und dem eigenen Vater ab, übernehmen selbst Verantwortung für ein Kind und lassen zu, dass sich die Beziehung zu ihrem Partner von einer Zweier- zu einer Dreierbeziehung verändert.

Übrigens, auch für ihre Eltern ist der Schritt zum Eltern werden mit vielen Veränderungen verbunden. Auch sie bekommen direkt vor Augen geführt, dass sie in eine neue Lebensphase eintreten. Vielleicht ist es jetzt Zeit, in der Familie üb den „Generationenvertrag“ zu sprechen.

 

Für ihr familiäres Glück

Thomas Wauer

{ 0 comments… add one }

Leave a Comment